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     28.02.2004 ( Lippische Landeszeitung )

    Baumgigant fällt Mißverständnis zum Opfer
    Schwalenberger Malereiche ist tot

    Schieder-Schwalenberg (an). Es ist wie ein letztes, stummes Aufbäumen: Der Koloss bewegt
    sich nicht von der Stelle, die Stahlseilwinde kommt zunächst nicht gegen den am Boden liegenden gewaltigen Stamm an. Doch dann siegt die Säge, die Stunden zuvor Schwalenbergs Wahrzeichen den Garaus gemacht hat. Die Malereiche am Burgberg ist tot. Sie wurde Opfer eines Missverständnisses.


    Innen hohl, aber sie wäre noch lebensfähig gewesen: Der gewaltige Stamm der Malereiche
     hat einen Durchmesser von 1,70 Metern. Das Loch misst 1,20.
    Foto: Schwarzer

 

 

 

 

 


    Gestern vormittag: Unglücklich steht Klaus Beckmeier vom Fachbereich Bauen und Planen neben dem gefällten Baum. Mindestens fünf Jahrhunderte lang haben hier Maler in ihrem Schatten den idyllischen Blick auf Schwalenberg eingefangen, haben sich Liebespärchen geküsst, Kinder Verstecken gespielt. Das ist vorbei. Wie konnte das passieren?
    "Es war ein Missverständnis", erklärt Beckmeier. "Der Bauhof sollte auf Wunsch der Schwalenberger unterhalb der Malereiche einige Äste entfernen, die den Blick auf den Ort versperrten. Da stand auch eine jüngere Eiche im Weg, und ich habe bei einem Ortstermin mit dem Bauhofleiter besprochen, dass die gefällt werden sollte."
    Die Bauhofmitarbeiter nahmen die Auslichtung in Angriff, und damit nahm das Schicksal seinen Lauf. Ein Rückruf beim Chef: "Soll die Eiche wirklich weg?" wurde Beckmeier am Telefon gefragt. "Ich habe natürlich ja gesagt, denn ich wäre im Traum nicht darauf gekommen, dass bei der Nachfrage die Malereiche gemeint sein könnte. Es ging doch um die jüngere Eiche unterhalb."
    Bei den Bauhofmitarbeitern kam leider nur die Order an: Der Baum soll weg. "Ich habe dreimal nachgefragt", knurrt einer der drei, die mindestens ebenso unglücklich sind wie ihr Boss. Es hat keine Stunde gedauert, da lag der Gigant am Boden. Der Stamm ist 1,70 Meter dick, aber in seiner Mitte klafft ein 1,20 Meter großes Loch.
    "Es ist ein Jammer", sagt Friedel Akemeier. Die Nachricht hat sich gestern wie ein Lauffeuer in Schwalenberg herumgesprochen, und der sachkundige Bürger eilte den Burgberg hinauf, um die Bescherung zu sehen. "Wir wollten ja den Blick auf Schwalenberg wieder frei haben, aber doch nicht so", schüttelt er den Kopf. "Die hätte mindestens noch drei Generationen überlebt", meint er traurig.
    Passiert ist passiert, und dennoch macht sich Klaus Beckmeier Gedanken, wie es weitergehen könnte: "Es ist immerhin ein kleiner Trost, dass wir zwei weitere Eichen in der Nähe so freigehalten haben, dass sie sich gut entwickeln konnten. Vielleicht kann man da einen Aussichtspunkt errichten", sagt er.
    Während er noch sinniert, bemühen sich die Männer vom Bauhof, den Stamm der Malereiche wegzuziehen. Sie versuchen, ihn in kurze Stücke zu zerteilen, schwierig bei dem gewaltigen Stamm. Am Ende siegt doch die Säge. Unwiderruflich.

     

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