Die Königsmacher :                                                                 Zurück

     19.07.2003 ( Lippische Landeszeitung )
     

    Die Königsmacher.
    Frank Ehlert über Schützenvereine und den Weg zur Majestätswürde.

    Alle wissen es, keiner sagt es laut. In manchem lippischen Schützenverein sind Königsmacher am Werk: Da wird ein Holzvogel losgeschraubt, dort eine Schießscheibe manipuliert, und allzu oft ist das Königsschießen ein längst abgekartetes Spiel. LZ-Redakteurin Marianne Schwarzer sprach darüber mit dem Schwalenberger Frank Ehlert, Vizepräsident des Westfälischen Schützenbundes.

     

     

    Mal ehrlich, Herr Ehlert, in den seltensten Fällen wird einer König, weil er der beste Schütze ist, oder?
    Ehlert: Naja, wenn wirklich immer die besten Schützen auf dem Thron säßen, dann würden die Könige auch Meisterschaften gewinnen. Nein, die Schützenregentschaft ist im Grunde keine sportliche Angelegenheit. Aber sie hat einen sehr hohen sozialen Stellenwert. Die Anteilnahme der Bevölkerung ist immens hoch, und unter Marketing- und Kommunikationsaspekten ist das Königswesen ein sehr wichtiger Traditionsblock für die Schützen.

    Wie kommen diese sonderbaren Wege der Königsermittlung eigentlich zustande?
    Ehlert: Dabei handelt es sich meist um ein gewachsenes Prozedere, das sich über Jahrzehnte entwickelt hat und zum Teil recht verkrustet ist. Jeder Verein macht das anders. In Schwalenberg zum Beispiel gibt es ein bestimmtes Zeitfenster, in dem Anwärter ausschließlich dem Schützenoberst ihr Interesse bekunden. Gibt es mehrere Aspiranten, wird das im Vorfeld ausgeschossen. Kommt beim Schützenfest aber jemand auf die Idee: ,Heute will ich es wissen, dann kann er sagen: ,Dieser Schuss gilt. Dann hat der ursprünglich geplante König eine Option aufs nächste Jahr. In Schwalenberg hatten wir aber noch nie Probleme, einen König zu finden.

    Worauf führen Sie es zurück, dass manche Vereine genau diese Probleme haben?
    Ehlert: Bei dem, was in einigen Vereinen finanziell vom König erwartet wird, ist es klar, dass die Schützen zurückschrecken. Wenn ein König ohne Rückendeckung seines Vereinsvorstandes versucht, das finanzielle Niveau zu senken, und vielleicht nach der zweiten Freibierrunde sagt: ,Leute, jetzt mache ich mal einen Strich, dann kann es gut sein, dass er regelrecht Spießruten laufen muss.

    Was kostet denn heutzutage so eine Regentschaft?
    Ehlert : In Schwalenberg übers Jahr gesehen ein bis zwei durchschnittliche Monatsgehälter. Einmal im Leben sollte sich das jemand leisten können, der im Berufsleben steht. Aber in vielen Vereinen ist die Summe um ein Vielfaches höher. Was in einzelnen Orten vom Schützenkönig erwartet wird, wäre ich persönlich nicht bereit zu leisten.

    Geht es dabei denn nur ums Geld?
    Ehlert : Dazu kommt der Zeitaufwand. Die Repräsentationsaufgaben des Königs sind sehr vielfältig, er steht unter großem Druck und muss sich über einen langen Zeitraum zeitlich festlegen.

    Was müsste denn aus Ihrer Sicht passieren, um diese Hürden zu beseitigen?
    Ehlert: Die Vereine müssten das intern diskutieren. Die Ansprüche haben sich mit den Jahren immer mehr hochgeschaukelt, hier müsste man ansetzen. Man muss mal die Karten offen auf den Tisch legen. Aber das Ganze hat auch mit der bildlichen Erwartung an den König zu tun. Bisher musste das immer eine gestandene Persönlichkeit sein. Dabei es wäre gut, den Thron auch jungen Leuten zu öffnen.

    Was versprechen Sie sich außer einem jüngeren Hofstaat davon?
    Ehlert : Junge Königshöfe könnten den Verein bereichern, oft feiern sie auch in einem ganz anderen Stil. Hier geht es um das Aufbrechen von Strukturen, hier sollte auch mal ein bisschen quergedacht und experimentiert werden. In Bad Meinberg hat das beispielsweise gerade sehr gut geklappt. Die Vereinsverantwortlichen haben das zu ebnen. Wenn sich das Umfeld schnell entwickelt, dann muss sich eben auch das Königswesen entwickeln.

     

top